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| Sitzen bleiben
„Bei uns muss niemand sitzen bleiben.“ – Eine zentrale Botschaft des Schulprogramms an Ganztagsschulen.
Das zwangsweise Sitzenlassen abschaffen und freiwillige Klassenwiederholungen auf ein Minimum reduzieren – wenn sich Ganztagsschulen auf dieses Ziel verständigen, tun sie einen ersten großen Schritt auf dem Weg zu einer Schule für alle. Schulen, die in unserem durch und durch auf Selektion ausgerichteten Schulsystem auf das Sitzenlassen verzichten, können stolz auf sich sein und verdienen größte Anerkennung. Sie wählen den pädagogisch schwierigen, aber richtigen Weg. Sie machen deutlich, dass es ihnen um jedes einzelne Kind geht, um jeden einzelnen Jugendlichen. Dass individuelle Förderung groß geschrieben wird. Sie schicken niemanden in eine niedrigere Lerngruppe oder in eine andere Schulform, nur weil er oder sie nicht mitkommt, Probleme hat oder Probleme macht. Schulen, die auf das Sitzenlassen verzichten, wissen sich einig mit vielen wissenschaftlichen Untersuchungen: „Seit mehr als 30 Jahren entzaubert die empirisch-psychologische Schulforschung das ‚Sitzenbleiben‘ als eine pädagogisch unsinnige, ja schädliche Maßnahme, dennoch hält sich das Vorurteil ‚Sitzenbleiben nützt den Schülern‘ hartnäckig.“ schrieb Klaus-Jürgen Tillmann, einer der renommiertesten Forscher auf diesem Gebiet erst jüngst in der Zeitschrift eines GEW-Landesverbands. Aber es reicht nicht, das Sitzenlassen abzuschaffen. Die Schule muss gleichzeitig signalisieren: „Wir achten auf Leistung, bei uns bekommt niemand etwas geschenkt. Im Gegenteil: Wir verlangen Einsatz, aber wir geben auch Unterstützung.“
Bedacht und geklärt werden sollte,
- dass der Schritt, das Sitzenlassen abzuschaffen, innerhalb des Kollegiums, mit Eltern und Schüler/innen gründlich beraten werden muss. Die „Philosophie“ muss stimmen. Es muss ein positives Leistungsklima herrschen. Allen muss klar sein, Nicht-sitzen-Lassen bedeutet Arbeit für alle Beteiligten, es ist anstrengend, aber sehr befriedigend.
- dass man sich Zeit lassen sollte, das Für und Wider gründlich zu diskutieren und erst zu starten, wenn alle bereit sind, sich auf das Wagnis einzulassen. Auch die Verringerung der Sitzerbleiber-Quote ist ein wichtiger Schritt.
- ob man nur mit einer Klassenstufe oder mit allen gleichzeitig beginnt.
- wie die notwendige Unterstützung durch Eltern, Studierende und freiwillige Helfer/innen organisieren werden kann.
- ob Rückhalt durch die Schulaufsicht vorhanden ist oder aus der Konfrontation heraus unter Beweis stellen werden muss, dass „es“ geht.
Bewährt hat sich,
- dass eine kleine Gruppe vor der Beratung über das Sitzenlassen anhand der statistischen Schuldaten ermittelt, welches diesbezügliche Profil die Schule hat. Hat sie eine hohe oder eine niedrige Quote? Die Schule kann z.B. ihre Daten mit denen der PISA-Studie vergleichen.
- ein Frühwarnsystem mit schnellen Eingreifmechanismen zu installieren und bloß nicht zu warten, bis die „Versetzung gefährdet“ ist. Probleme müssen angegangen werden, solange sie klein sind. Alle Beteiligten – natürlich auch die Schüler/innen und deren Eltern – müssen zusammengebracht werden. Niemand sollte mit dem Finger auf andere, sondern jeder auf sich selbst zeigen und erklären, welchen Beitrag er oder sie leisten kann. Dies kann schriftlich festgehalten und nach einer gewissen Zeit auf Erfolg oder Misserfolg überprüft werden.
- wenn die Schulen auf ein Netz von (ehrenamtlichen) Helfern zurückgreifen können. Manchmal sind die Probleme so groß, dass es ohne zusätzliche Unterstützung nicht geht. Und diese darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen.
Marianne Demmer
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