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| Schulversäumnisse
Der regelmäßige Schulbesuch und die regelmäßige Teilnahme am Unterricht sind elementare Qualitätsmerkmale jeder Schule, auch der Ganztagsschule.
Häufige Schulversäumnisse einzelner Schülerinnen und Schüler bedeuten in aller Regel ein erhöhtes Risiko schulischen Scheiterns und damit auch sozialer Ausgrenzung. Eine Schule wird deshalb größten Wert darauf legen, nicht hinreichend begründeten oder nur fragwürdig erklärten Schulversäumnissen nachzugehen und die Ursachen dafür aufzuklären. Dies ist eine notwendige Voraussetzung dafür, dass geeignete Mittel und Möglichkeiten für den regelmäßigen Schulbesuch aller Kindern und Jugendlichen geschaffen und genutzt werden können. Dabei geht es weniger um den ordnungspolitischen Aspekt der Durchsetzung der Schulpflicht als um die Sicherung des Rechts auf Bildung. Das bedeutet auch, dass die Schule ihr Angebot so zu gestalten hat, dass es für alle Kinder und Jugendlichen hinreichend attraktiv ist. Der regelmäßige Schulbesuch ist nicht zuletzt ein für die Selbstevaluation geeignetes Kriterium, weil er erstens leicht zu erfassen ist und zweitens die Anstrengungen zur Sicherung des regelmäßigen Schulbesuchs ein für alle Beteiligten wahrnehmbarer Ausdruck von sozialer Verantwortung der Schule sind. Die Praxis in unseren Schulen ist gerade in den Schularten und Klassenstufen, in denen sich Schulversäumnisse häufen (7.-9. Klasse von Haupt- und Sonderschulen, BVJ), weitgehend durch Haltungen zwischen Laissez-faire und Resignation gekennzeichnet. Der Begriff „Schulverweigerung“ legt zudem die Deutung nahe, dass es sich dabei um eine bewusst getroffene Entscheidung gegen den Schulbesuch handelt, und schreibt damit dem einzelnen Jugendlichen die Verantwortung für sein Tun alleine zu. Auch die verbreitete Bewertung von „Schulschwänzen“ als adoleszenztypischem Regelverstoß wird der Realität und Bedeutung des Phänomens in der individuellen Biografie junger Menschen überwiegend nicht gerecht. Einbezogen werden sollten deshalb vor allem Erklärungsmöglichkeiten, die mit Belastungen in den Lebensverhältnissen der Kinder und Jugendlichen, mangelndem Schulerfolg, Außenseiterrollen sowie Mobbing und Gewalt in der Schule zu tun haben.
Bedacht und geklärt werden muss,
- dass die Durchsetzung des regelmäßigen Schulbesuchs durch Ordnungsmaßnahmen wie Bußgelder und die zwangsweise Zuführung von Schülerinnen und Schülern nur dann Sinn macht, wenn es in der Schule ein für sie geeignetes Angebot gibt.
- dass Schulversäumnisse meist nicht nur eine Ursache haben und es deswegen auch nicht nur eine für alle gleiche Antwort gibt.
- dass der kritische Blick nicht nur auf die Schulversäumnisse der Schülerinnen und Schüler gerichtet werden sollte, sondern auch auf die der Lehrkräfte.
Bewährt hat sich,
- Schulversäumnisse lückenlos und gewissenhaft zu erfassen (z.B. durch im Lehrerzimmer offen aushängende Formulare, in die von jeder Lehrkraft für alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse die Fehlzeiten mit Angabe von Gründen eingetragen werden).
- Schulversäumnisse zum Thema von Klassenkonferenzen zu machen, sie in der Schulleitung und mit Schüler- und Elternvertretungen zu besprechen.
- wenn unterschiedliche Dienste und Disziplinen zusammenarbeiten. Besonders Erfolg versprechend erscheint die sozialraumbezogene Kooperation von Schulen mit der Jugendhilfe, der Polizei und anderen Akteuren (z.B. Präventionsräte in Niedersachsen).
- klare und verbindliche Regelungen zum Umgang mit Schulversäumnissen zu treffen (z.B. Anrufe bei den Eltern nach der ersten versäumten Unterrichtsstunde, Verabredungen darüber, wer wann in welchen Fällen die Schulleitung informiert, wann welche außerschulischen Partner hinzugezogen werden und wer für das Gesamtkonzept zur Verbesserung des Schulbesuchs zuständig ist).
Hermann Rademacker
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