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Schulkultur

Die Ganztagsschule ist ein kultureller, ein interkultureller Ort.

Schulkultur ist mehr als eine Einrahmung der Schule durch dieses oder jenes kulturelle Ereignis sowie durch spezielle Fächer wie Musik und Kunst, Theater etc. Die Schule ist das soziokulturelle Zentrum einer Gesellschaft, der Weltgesellschaft, und die Ganztagsschule erst recht.
Kultur ist das Insgesamt menschlicher Ausdrucksformen im Geiste von Humanität und Solidarität in nachhaltiger Dimension. Schulkultur kommt essentiell darin zum Ausdruck, wie die Menschen unterschiedlichster Art – auch über Hierarchieebenen hinweg – miteinander umgehen, ob sie sich prinzipiell auf gleicher Augenhöhe begegnen. Auch der Gesamteindruck einer Schule – ob z.B. Ästhetik das gesamte Ambiente prägt – ist eine Visitenkarte für die Kultur einer Schule, für ihre Schulkultur.
Für die Kultur einer Schule in der Einen Welt gilt: In dieser Schule sind die Kulturen der Welt zu Hause. Kultur und Interkulturelles sind keine getrennten Bereiche (mehr), sie werden eins. Ob dieses Bewusstsein in einer Schule real geworden ist, lässt sich u.a. daran feststellen, ob alles, was in der Schule öffentlich geschrieben steht, in all den Sprachen zum Ausdruck kommt, die in der Schule und in der Nachbarschaft der Schule gesprochen werden. Alles andere ist kulturelle Hegemonie ohne das Bemühen der Wertschätzung des Reichtums, den die Vielfalt der Kulturen darstellt. Kultur, auch Schulkultur, ist also nicht apolitisch, sie ist eminent politisch.

Bedacht und geklärt werden muss,

  • welches Kulturverständnis in den Köpfen all derer herrscht, die sich in der Schule und im Umfeld der Schule bewegen.
  • welche Rolle die Frage spielt, wie sich Menschen an unterschiedlichen Orten der Welt und zu verschiedenen Zeiten als Menschen begriffen, wie sie die physische Welt verstanden und welche Vorstellungen sie sich über die Meta-Physik machten.
  • was die verabredeten Erwartungen hinsichtlich des Umgangs miteinander sind, damit die Umgangsformen als kultiviert angesehen werden.
  • welchen spezifischen Beitrag jedes Fach zu einem komplexen Verständnis von Schulkultur beitragen kann.
  • wie eine Schule mit außerschulischen Kultureinrichtungen kooperiert, wie sie zum mittragenden Teil eines kulturellen Netzwerks im Gemeinwesen, in der Region, im internationalen Austausch wird.

Bewährt hat sich,

  • wenn eine Schule in ihrem Leitbild ihr interkulturelles Selbstverständnis (er-)klärt.
  • wenn die Schule in den Sprachen und Symbolen der Welt nach außen hin deutlich macht: Dies ist ein Ort, an dem ALLE willkommen sind.
  • wenn alle Schülerinnen und Schüler die einladende Aufforderung erhalten, sich in einem kulturellen Feld besonders hervorzutun (z.B. in Musikklassen, in denen alle ein Instrument erlernen, durch die Übernahme von Vorlesepatenschaften für Kindergartenkinder oder Blinde etc.)
  • wenn es eine Versammlungskultur gibt, im Rahmen derer auf dem Markplatz der Schule gezeigt wird, was gelernt wurde, wo diskutiert wird, was strittig ist, und wo erlebt wird, wie große Gemeinschaft verbinden kann.
  • wenn die Feste der Kulturen der Welt gefeiert werden.
  • wenn die Symbole der Religionen der Welt präsentiert und erklärt werden.
  • wenn möglichst viele Präsentationen aus der Schule in die regionale und überregionale Öffentlichkeit hinausgetragen werden.
  • wenn es Künstler/innen gibt, die sich dem Kollegium einer Schule als zugehörig fühlen und so auch aufgenommen werden.
  • wenn „critical friends“ eingeladen werden, die Rückmeldungen darüber geben sollen, wie sie die Schulkultur einer Schule wahrnehmen.

Otto Herz


Links, Literatur und best practice

www.kinder-zum-olymp.de
Kinder zum Olymp! Wege zur Kultur für Kinder und Jugendliche.
Kulturstiftung der Länder 2004

www.kupoge.de
Kulturpolitische Gesellschaft

www.bkj.de
Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung e.V.

Schulen ans kulturelle Netz! Kooperationen zwischen kultureller Weiterbildung und Ganztagsschule. 47. Loccumer Kulturpolitisches Kolloquium, Loccum 2004

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