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| Rhythmisierung
Die Rhythmisierung des Unterrichtstages ermöglicht kindgerechtes Lernen und Arbeiten.
Leben ist durchgängig rhythmisch und nicht etwa mechanisch-linear konstituiert. Der menschliche Körper unterliegt vielfältigen vorgegebenen rhythmischen Ordnungen. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Rhythmen, die sich etwa auf die Jahreszeiten beziehen, und der Biokurve mit den über den Tag verteilten Leistungshöhepunkten und Tiefpunkten sowie dem „Eigenrhythmus“, der sich im Biorhythmus und im persönlichen Tempo bei Menschen stark unterscheiden kann. Im Unterschied zu anderen Lebewesen kann sich der Mensch auf Umweltrhythmen einstellen (z.B. Schicht- und Nachtarbeit). Allerdings können Störungen im Rhythmengefüge Krankheiten hervorrufen. Eine Schule, die Kindern bis zu sechs oder sogar sieben Unterrichtsstunden am Vormittag zumutet, kämpft gegen den Biorhythmus des Menschen und fordert erheblich mehr Kraft. Schule sollte daher ihre Jahres-, Wochen- und Tagesplanung nach rhythmischen Gesichtspunkten überprüfen. Vor allem der Gesamtverlauf eines Tages sollte auf den Wechsel von Phasen der Anspannung und Erholung hin geplant werden. Es scheint sinnvoll, zwischen dem „Takt“ und der „Rhythmisierung“ zu unterscheiden. Der Takt bezieht sich auf die schuleinheitlich festgelegte zeitliche Strukturierung. Im Schulkonzept wird z.B. die Dauer und Abfolge von Blöcken und Pausen festgelegt, wann die Schule öffnet und wann das gemeinsame Frühstück, das Mittagessen, jahrgangsübergreifendes Lernen und die Arbeitsgemeinschaften stattfinden. Mit „Rhythmisierung“ ist die interne Lernstruktur innerhalb der vorgegebenen Unterrichtsblöcke gemeint, die jeweils von der agierenden Lehrkraft und den Kindern der Lerngruppe gesteuert wird. Sie findet auf zwei Ebenen statt: Auf der ersten Ebene, der äußeren Rhythmisierung, geht es um den Wechsel der Lehr- und Lernformen (z.B. zwischen Wochenplanunterricht, Stationenlernen und frontalem Lehrgang). Auf der zweiten Ebene, der inneren Rhythmisierung, geht es um den eigenen Rhythmus, den jeder Mensch hat, sowie um die Steuerung der Lernprozesse durch jedes einzelne Kind selbst (z.B. Lernstrategien entwickeln, Lernhilfen wahrnehmen, Kontakte zu anderen Kindern aufnehmen, Entspannungsphasen bewusst gestalten). Die innere Rhythmisierung findet quasi automatisch bei jedem Lernen statt. Wird sie Kindern bewusst und als Metakognition einsetzbar, sind positive Auswirkungen auf das Lernen zu erwarten.
Bedacht und geklärt werden sollte,
- dass die erweiterte Schulzeit nicht nur eine quantitative Ausweitung von herkömmlichem Unterricht darstellt. Vielmehr ist sie eine Chance für eine veränderte Gestaltung des Schultages mit formellen und informellen Zeiten sowie gemeinsamen und individuellen Phasen.
- dass der herkömmliche 45-Minuten-Takt mit seinen kurzen „Takteinheiten“ die Gestaltungsmöglichkeiten stark einschränkt.
- welche AGs und Arbeitsphasen in welche Tageszeit gelegt werden sollten.
- ob ein offener Anfang und ein offenes Ende möglich sind.
Bewährt hat sich,
- längere Unterrichtseinheiten mit flexibler Zeiteinteilung einzuführen. Daraus ergeben sich für Lehrkräfte und Schüler/innen größere Handlungsspielräume. Sie haben die Chance, ihre Arbeit eigenverantwortlich einzuteilen sowie Arbeitsrhythmus und Arbeitszeit selbst bzw. mitzubestimmen.
- über den ganzen Tag verteilt Zeiten der Muße, der Entspannung und der Bewegung einzuplanen und nicht erst Unterricht am Stück zu praktizieren und Freizeit hinten dranzuhängen.
- den Anfang und das Ende des Schultages flexibel zu gestalten.
Karlheinz Burk
Links, Literatur und best practice
Burk, K./Ronte-Rasch, B./Thurn, B. u.a.: Grundschule mit festen Öffnungszeiten. Weinheim und Basel 1998
Messner, Rudolf: Die Rhythmisierung des Schultages. Erfahrungen und pädagogische Überlegungen zu einem dringlich gewordenen Problem. In: Kubina, Ch./Lambrecht, H.-J.(Hrsg.): Die Ganztagsschule, Bestandsaufnahme – Grundlegung – Perspektiven. Wiesbaden 1991, S. 54-66
Seydel, Otto: Verschenkte Zeit oder: Die Kunst des Anglers. In: Zeitschrift Pädagogik, Heft 3/2001, S. 14-17
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