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Qualitätsmerkmale

Wir brauchen gute Ganztagsschulen –
keine neuen Reformruinen.

Seit mehr als dreißig Jahren findet bei bildungspolitischen Innovationen ein Mechanismus statt, der nach dem immer gleichen Schema abläuft: Reformen werden ideologisch seziert und zerredet. Es bleiben nur noch halbherzige Konzepte übrig, die im Rahmen knapper Mittel durchgeführt werden und vor allem vom guten Willen der Beteiligten abhängen und auf dem Rücken der Beschäftigten stattfinden. Es entstehen „Reformruinen“, die wiederum Stufe 1 auslösen. Die große Leistung vieler Schulen bestand in den letzten dreißig Jahren darin, dass sie trotz politischen Gegenwindes gute Ganztagsschulen entwickelt haben, in denen u.a. die Arbeitszufriedenheit groß ist. Auf die Konzepte dieser Schulen können wir heute zurückgreifen und aus ihren Erfahrungen lernen.

Bewährt hat sich,

  • dass gute Ganztagsschulen eine menschenfreundliche Philosophie haben: Jeder junge Mensch ist wichtig, jeder ist willkommen. Er lernt (und lebt) viel, gut und gerne.
  • dass die Lern- und Arbeitszufriedenheit als Produktivkraft geschätzt und gepflegt wird.
  • dass individuelle Förderung intensiviert wird und Lernchancen optimiert werden. Besonderes Augenmerk gilt benachteiligten jungen Menschen und solchen mit besonderen Bedürfnissen.
  • dass in differenzierten Lernarrangements gelernt wird. Sie ermöglichen vielfältige Lernzugänge und -wege und eröffnen lebensnahe Erfahrungsbereiche und Lernformen mit Ernstcharakter.
  • dass Freizeit Teil des Schullebens ist. Der Freizeitbereich sollte ein möglichst vielfältiges Wahlangebot im gebundenen und offene Angebote im ungebundenen Freizeitbereich umfassen.
  • dass die Schulen Orte für Gemeinschaftserleben, soziales und interkulturelles Lernen sind. Dazu gehört: gemeinsam feiern, Solidarität erleben, erfolgreich und verantwortlich handeln.
  • dass die Schulen Partizipation und Demokratielernen ermöglichen. Sie eröffnen Schüler/innen und Eltern viele Formen der Teilhabe, der aktiven Mitbestimmung und sozialen Verantwortung.
  • dass die Schulen sich zum regionalen Umfeld und zur Lebenswelt öffnen. Außerschulische Lernorte und Lernanlässe sollten genutzt, projektartiges Lernen gefördert und vielfältige Kontakte und Kooperationen mit Institutionen, Organisationen und Personen gepflegt werden.
  • dass Ganztagsschulen eine Ganztagsraumgestaltung haben. Neben Lernräumen und besonderen Fachräumen für künstlerische, musische und sportliche Zwecke sollten insbesondere Mehrzweckräume für Mahlzeiten, Veranstaltungen und Aufführungen, für Spiel, Rückzug, Ruhe und Bewegung, für Kleingruppenarbeit und Beratung sowie kind- und jugendgerechte Außenanlagen für Bewegung und Ruhe, Sport und Spiel vorhanden sein.
  • dass Mahlzeiten (warmes Mittagessen, Pausensnacks) in das Schulleben integriert werden. Sie können dabei mit Lern- und Erziehungsaspekten verbunden werden (Gruppenerfahrung, Gestaltung, gesunde Ernährung).
  • dass der Lebens- und Lernrhythmus der Schüler/innen und der Lernanlass den Verlauf des Schultags bestimmen. Ganztagsschulen haben eine flexible lern- und schülergerechte Zeitrhythmisierung.
  • dass Lehrkräfte und sozialpädagogische Fachkräfte nach einem gemeinsam verabredeten pädagogischen Konzept auf „gleicher Augenhöhe“ in gemeinsamer Zuständigkeit und Verantwortung für eine Schülergruppe arbeiten.
  • lieber viele kleine Schritte gut zu machen als mit einem zu großen Schritt zu scheitern.
  • die speziellen Qualitätsmerkmale der Schule so konkret festzulegen, dass sie evaluierbar werden.
  • regelmäßig – aber nicht andauernd – die Wirksamkeit der Schule zu überprüfen.

Marianne Demmer


Links, Literatur und best practice

www.ganztagsschulen.org/_downloads/IFS_Analyse_Gesamt.pdf
Die Merkmale guter Ganztagsschulen sind in enger Anlehnung an die „Analyse beispielhafter Schulkonzepte von Schulen in Ganztagsform“ entstanden, die H.G. Holtappels unter Mitarbeit von T. Schnetzer im Auftrag des BMBF 2003 vorgelegt hat.

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