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Partizipation

Partizipation von Kindern und Jugendlichen
ist das Markenzeichen der demokratischen Schule

Unter dem Begriff „Partizipation“ versteht man verschiedene Wege und Strategien der Beteiligung, Mitwirkung, Mitgestaltung und Mitbestimmung. Die Förderung von Partizipation ist an der Ganztagsschule aus drei Gründen wichtig: 1. Bildung und Erziehung, insbesondere im Bereich sozialer Kompetenzen und Haltungen, können nur gelingen, wenn Schülerinnen und Schüler in die Entwicklung gemeinsamer Werte und deren Einhaltung einbezogen sind. 2. Funktionierende Partizipation entlastet Pädagoginnen und Pädagogen. 3. Partizipation weckt das Selbstwirksamkeitsgefühl, d.h. das Bewusstsein, dass man seine Ziele und Veränderungsvorschläge auch erreichen und durchsetzen kann. Partizipation wirkt also präventiv gegen Versagensangst, Minderwertigkeitsgefühle und Depression.
Gerade der dritte Aspekt nimmt in unserer Gesellschaft einen immer höheren Stellenwert ein. „Selbstwirksamkeit“ (self-efficacy) ist die Kompetenz, schwierige Aufgaben oder Lebensprobleme aus eigener Kraft bewältigen zu können. Die Erfahrung, sein Leben selbst bestimmen zu können, ist die Grundlage dafür, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Schülerinnen und Schüler, die von ihrer eigenen Selbstwirksamkeit überzeugt sind, setzten sich selbst höhere Leistungsziele, engagieren sich mit mehr Motivation für deren Durchsetzung und sind eher in der Lage, eine Niederlage aus eigener Kraft zu verarbeiten.
Die Realität an den Schulen ist weit davon entfernt, Partizipation zu realisieren. Nur rund jeder fünfte Schüler nimmt hinreichende oder sogar gute Mitbestimmungsmöglichkeiten an der eigenen Schule wahr. Fehlende oder unzureichende Möglichkeiten sind die Regel. Schulen, an denen Partizipation ernst genommen wird, erhöhen die soziale Schulqualität und die Identifikation der Schülerinnen und Schüler mit ihrer Schule. Die Gewaltbelastung nimmt ab und die Sozialbeziehungen verbessern sich. Es entsteht ein freundlicheres Schulklima.

Bedacht und geklärt werden sollte,

  • dass Partizipation keine zu organisierende Maßnahme ist, sondern ein durchgängiges Prinzip der Beteiligung von Schülerinnen und Schülern.
  • dass Partizipation initiiert werden muss und man nicht darauf warten kann, bis Schülerinnen und Schüler von sich aus aktiv werden,
  • dass Partizipation nicht ein Betätigungsfeld einzelner, besonders an Mitwirkung interessierter Kinder und Jugendlicher ist, sondern die Beteiligung aller Schülerinnen und Schüler meint.

Bewährt hat sich,

  • Partizipation als Kriterium für eine gute Ganztagsschule in die eigene Evaluation aufzunehmen.

Ulrich Geisler

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