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| Offener Anfang
Der Offene Anfang ist der Beginn eines guten Schultages.
Obwohl vorwiegend vom Nachmittag gesprochen wird, wenn es um die Ganztagsschule geht, sei hier – durchaus programmatisch gemeint – festgestellt: Die Ganztagsschule fängt morgens an. Und darum muss sich die Ganztagsschule ein präzises Wissen darüber verschaffen, was die Bedingungen des Ankommens der Kinder und Jugendlichen in all ihrer Unterschiedlichkeit am Morgen der Schultage sind. Die Art des Ankommens ist bedeutsam für den Ablauf des weiteren Schultages. Wer verstört ankommt, wird mit Lernstörungen auffallen. Wer ein hohes Kommunikationsbedürfnis über die Ereignisse des Vortages, des Vorabends, des frühen Morgens – möglicherweise auch der Nacht – hat, wird sich darüber austauschen wollen, bevor der Dreisatz zu seinem Recht kommt. Wem auf dem Schulweg schon Gewalt angetan wurde, wird diese unter Umständen in irgendeiner Weise weitergeben. Der Offene Anfang schafft Raum und Zeit für ein gutes Ankommen, für das Abreagieren all dessen, was Kinder und Jugendliche davon abhält, sich intensiv und wohlwollend den Dingen, Inhalten und Menschen zuzuwenden. Der Offene Anfang ist darum die vernünftige Alternative zu einem zeitlichen Fallbeil, das rücksichtslos startet, obwohl eine mentale Ankunft noch nicht stattgefunden hat. Er ist die Gleitzeit, die zur schulischen Gelingenszeit hinführt.
Bedacht und geklärt werden muss,
- wann der Offene Anfang beginnen soll, wie lange er dauern, wann und wie er enden soll.
- welche Zonen, Räume und Beschäftigungsmöglichkeiten den Kindern und Jugendlichen zur Verfügung stehen, damit sie den Dingen nachgehen können, die ihnen wichtig sind und die ihnen helfen, zu sich und zu anderen zu finden.
- wie sich der Offene Anfang für die Erwachsenen darstellt.
- ob der Offene Anfang Pflichtzeit für alle Lehrerinnen und Lehrer sein soll und ob er auch ein Betätigungsfeld für Eltern und außerschulische Partner sein kann, die in dieser Zeit Besonderes anbieten.
Bewährt hat sich,
- dass der Offene Anfang so zeitig beginnt, dass sich gerade die Kinder und Jugendlichen in der Schule einfinden können, die ihr erstes Zuhause oft schlecht versorgt verlassen.
- wenn es eine breite Palette von Aufenthalts–, Arbeits–, Beschäftigungsmöglichkeiten im Schulhaus und im Schulumfeld gibt, sodass den unterschiedlichen Ankommensbedürfnissen weitgehend entsprochen werden kann.
- wenn nicht nur Lehrerinnen und Lehrer als Ansprechpartner bereitstehen, sondern – um die Attraktivität des Ankommens zu erhöhen – auch andere Erwachsene.
- wenn der Offene Anfang auch dazu beiträgt, dass sich die Kinder und Jugendlichen alters- und klassenübergreifend gruppieren können.
- wenn es an bestimmten Tagen/Wochen Sonderereignisse gibt (z.B. zweimal im Monat mittwochs ein Clown auf dem Schulhof ist, am ersten Montag des Monats die Band spielt).
- wenn mit einem einladenden Ritual das nahende Ende des Offenen Anfangs angezeigt wird und sich Rituale des Sammelns in der Gemeinsamkeit anschließen, damit verabredet werden kann, wie nun mit hoher Konzentration gearbeitet wird.
- wenn der Offene Anfang immer wieder in seiner Form und Bedeutung überprüft wird und die Kinder und Jugendlichen, die Eltern und die Pädagoginnen und Pädagogen in die Urteilsbildung und Weiterentwicklung einbezogen werden.
- wenn es als Quelle der Anregung und des Ansporns einen zwischenschulischen Austausch über die Gestaltungsformen des Offenen Anfangs gibt.
Otto Herz
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