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Nachbarschaftsschule

Ganztagsschulen, die sich als Nachbarschaftsschulen verstehen,
folgen dem Programm „Im Leben lernen – im Lernen leben“.

Jede Schule lebt in einem spezifischen Umfeld. Das Umfeld prägt die Schule, die Schule das Umfeld. Schulen, die in besonderer Weise mit der Nachbarschaft interagieren, heißen Nachbarschaftsschulen (oder Stadtteilschulen, Community Center, Zentren für gemeinwesenorientiertes Lernen etc.). Dabei ist unter „Nachbarschaft“ aber nicht nur das zu verstehen, was sich unmittelbar vor der Schulhaus-Tür ereignet. Im Zeitalter der Globalisierung ist die ganze Erde „Nachbarschaft“: das nahe Ferne und das ferne Nahe. Sich den Weltfragen zu stellen, gehört zur Agenda von Nachbarschaftsschulen. Gleichzeitig berücksichtigen sie die afrikanische Weisheit „It takes a whole village to educate a child!“ Nachbarschaftsschulen greifen in besonderer Weise die Fragen auf, die Erich Fried in seinem gleichnamigen Gedicht „Wo lernen wir?“ in der ihm eigenen Eindringlichkeit gestellt hat. Also:
Bedacht und geklärt werden muss:
Wo lernen wir leben/und wo lernen wir lernen/
und wo vergessen/um nicht nur Erlerntes zu leben?
Wo lernen wir klug genug sein/die Fragen zu meiden/
Die unsere Liebe nicht einträchtig machen/
Und wo/lernen wir ehrlich genug sein/
Trotz unserer Liebe/und unserer Liebe zuliebe/die Fragen nicht zu meiden?
Wo lernen wir/uns gegen die Wirklichkeit wehren/
die uns um unsere Freiheit/betrügen will/
und wo lernen wir träumen/und wach sein für unsere Träume/
damit etwas von ihnen/unsere Wirklichkeit wird?
aus: Einbruch der Wirklichkeit. Verstreute Gedichte 1927-1988. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1991

Bedacht und geklärt werden sollte,

  • welche Erfahrungen, Erlebnisse und Erkenntnisse die Mädchen und Jungen in die Schule mitbringen. Was können sie gut und worin liegen ihre Stärken? Was können sie schlecht und worin liegen ihre Schwächen?
  • welche Interessen, Erfahrungen und Leidenschaften die Lehrerinnen und Lehrer mitbringen. Wovon haben sie keine Ahnung? Welchen Herausforderungen weichen sie aus?
  • welche Menschen in der Nachbarschaft leben. Was sind ihre Interessen, ihre Berufe, ihre Hoffnungen, ihre Nöte? Was können sie gut, wo haben sie ihre speziellen Kompetenzen?
  • wer sich im Umfeld worum kümmert. Was tun die Ämter, die Vereine, die Kirchen, Initiativen der unterschiedlichsten Art?
  • was alltägliche Herausforderungen, ungelöste Aufgaben, spannende Ereignisse und fröhliche Anlässe sind. Wo sind Orte der Anschauung, des Erinnerns, der Zukunftsgestaltung?
  • wie Schule als Teil des Gemeinwesens die Lebensqualität für möglichst alle verbessern kann.

Bewährt hat sich,

  • wenn diese Kernfragen als Wegweiser des Suchwegs zur Nachbarschaftsschule aufgegriffen werden.
  • das Lernen der Nachbarschaftsschule an Stärken und nicht an Defiziten zu orientieren.
  • Ernst damit zu machen, dass das wichtigste Curriculum die Person ist. Wer sich die eigene Begrenztheit klar macht, ist offen für die Erweiterung von Kompetenzen durch Dritte.
  • wenn die Nachbarschaftsschule sensibel für die Menschen in ihrem Umfeld ist, auf sie zugeht, zum Mitmachen einlädt und mit den Aktiven im Umfeld kooperiert.
  • wenn die Nachbarschaftsschule die Lebensfragen zu Lernfragen macht und Erarbeitetes in die Lebenswirklichkeit einspeist.
  • wenn Nachbarschaftsschulen immer wieder über die Wirkungen ihres Tuns Rechenschaft ablegen – vor sich und vor der Öffentlichkeit.

Otto Herz


Links, Literatur und best practice

www.learn-line.nrw.de
Eine Fülle von Praxisbeispielen

Das Portrait einer global orientierten Nachbarschaftsschule (Gesamtschule Essen-Holsterhausen) findet sich im Heft 16 der NaSch:
Nachbarschaft und Schule. Hrsg.: COMED e.V., Burgholzstr. 150, D-44145 Dortmund. www.community-education.de oder


Links, Literatur und best practice

www.learn-line.nrw.de
Eine Fülle von Praxisbeispielen
Das Portrait einer global orientierten Nachbarschaftsschule (Gesamtschule Essen-Holsterhausen) findet sich im Heft 16 der NaSch:
Nachbarschaft und Schule. Hrsg.: COMED e.V., Burgholzstr. 150, D-44145 Dortmund.
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