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Mitbestimmung

Wenn Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit bekommen,
ihren Schulalltag und ihre Lerninhalte mitzubestimmen,
entsteht ein Lernraum, den sie gerne besuchen.

Die demokratische Ganztagsschule ist der Wunschtraum vieler fortschrittlicher Pädagoginnen und Pädagogen. Häufig ist sie aber auch ihr Alptraum, wenn sie daran denken, den Schulalltag, der mehr ist als Unterricht, gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern zu gestalten.
Über die Möglichkeiten der Mitbestimmung an Schule und im Unterricht wurde schon viel geschrieben, doch in der auf den Vormittag begrenzten Halbtagsschule mit ihrem engen Korsett aus Lehr- und Stundenplänen sind viele Vorschläge nur schwer realisierbar. Die Ganztagsschule bietet hier den nötigen Gestaltungsfreiraum, da ihr mehr Zeit zur Verfügung steht. Gleichzeitig ist die Mitbestimmung aber auch eine unbedingte Notwendigkeit, denn die Schülerinnen und Schüler gehen den ganzen Tag in die Schule und wollen daher mitbestimmen, was sie dort tun.
Auch wenn manche Lehrkräfte die These vertreten mögen, Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern seien nicht dazu in der Lage, bei den Unterricht und den Schulalltag betreffenden Dingen mitzureden und mitzubestimmen, wird eine Ganztagsschule nur funktionieren, wenn sich alle Beteiligten gemeinsam für ihre Schule verantwortlich fühlen. Denn nur dann wird aus der Ganztagsschulanstalt, in der sich Schülerinnen und Schüler immer einem fremden Willen unterwerfen müssen, ein Lern- und Lebensort, den alle Beteiligten gerne besuchen.

Bedacht und geklärt werden sollte,

  • dass Mitbestimmung keine Alibifunktion haben darf. Zu oft sind Schülervertretungen nur als Spielwiese und Erprobungsfeld und der Elternbeirat lediglich als Organisator von Sommerfesten gedacht.
  • die unterschiedlichen Interessen von Eltern, Lehrerinnen und Lehrern, sozialpädagogischen Fachkräften und Schülerinnen und Schülern anzuerkennen und als Bereicherung für den Schulalltag zu akzeptieren.
  • dass alle Gruppen so in den Entscheidungsgremien vertreten sein müssen, dass die einseitige Dominanz einer Gruppe ausgeschlossen ist.

Bewährt hat sich,

  • Schüler/innen- und Elternvertreter bei allen Schulleitungs- und Lehrerkollegiumssitzungen als ständige Gäste einzuladen.
  • alle wesentlichen Entscheidungen in einer paritätisch besetzten Schulkonferenz zu treffen.
  • regelmäßige Treffen in Arbeitsgruppen zwischen Lehrerinnen und Lehrern, sozialpädagogischen Fachkräften, Schüler/innen und Eltern einzurichten.
  • das Schulprogramm gemeinsam mit allen an der Schule Beteiligten zu entwickeln.

Vincent Steinl

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