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Migration

In der Ganztagsschule stellt die Tatsache, dass Kinder mit
unterschiedlichem kulturellen Hintergrund zusammen leben und
arbeiten, eine Bereicherung dar.

Wenn die Ganztagsschule den Anspruch hat, durch Gestaltung eines großen Teils des Alltags von Kindern und Jugendlichen den Erziehungsauftrag wahrzunehmen, kann sie sich auch dem Anspruch nicht entziehen, Chancengleichheit herzustellen.
Da proportional mehr Migrantenkinder zur Hauptschule gehen als Deutsche, haben diese wesentlich schlechtere Chancen auf einen höheren Schulabschluss und Zugang zu gut bezahlten Berufen. Als Ursache hierfür gelten geringere Lesekompetenz und dadurch bedingte mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzdefizite.
Ein interkulturell ausgerichteter Schulalltag betont die Normalität von Vielfalt, ohne die strukturelle Benachteiligung verschiedener kultureller und ethnischer Gruppen zu leugnen. Gleichzeitig wird aber die ethnische Zugehörigkeit nicht als alleinige Zielgruppendefinition formuliert, da sie nur ein Kriterium darstellt, das immer im Kontext mit anderen Faktoren (Alter, Geschlecht, soziale Lage und ökonomische Situation) gesehen werden muss.
Gleichwohl ist der Übergang von der einen zur anderen kulturellen Alltagssituation eine Belastung, die jedes Mitglied einer migrierten Familie erfährt. Und es ist eine Chance für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der neuen Situation, die Integration und Teilhabe eines neuen Mitglieds als Bereicherung zu erleben. Dies zu ermöglichen, ist die Aufgabe der Schule. Insbesondere die Ganztagsschule hat die Gelegenheit dazu, weil sie die sozialen und individuellen Prozesse im Alltag der Schülerinnen und Schüler viel stärker erleben und steuern kann. Sie hat außerdem die Möglichkeit, auch den Freizeitbereich dafür zu nutzen. Gleichzeitig kann sie sprachliche und andere Förderung verstärkt in den Schulalltag einbinden sowie die besonderen Kompetenzen von Kindern mit Migrationshintergrund aufgreifen und verwerten.

Bedacht und geklärt werden sollte,

  • dass Deutsch die Unterrichts- und Umgangssprache ist, unabhängig vom Inhalt eines Angebots.
  • dass Sprachförderung von den Kindern nicht als zusätzliche Belastung, sondern als attraktive Chance zur Steigerung des Wohlfühlfaktors erlebt werden sollte.
  • dass auch im muttersprachlichen Unterricht pädagogisch qualifizierte Lehrkräfte gebraucht werden.

Bewährt hat sich,

  • attraktive Angebote im Sozial- und Freizeitbereich zu unterbreiten, welche die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund erleichtern, weil sie alle Kinder (unabhängig von ihrer kulturellen Herkunft) ansprechen.
  • sprachliche Kompetenz bei Kindern mit nicht deutscher Muttersprache zu fördern, zu nutzen und anzuerkennen (z.B. indem Türkisch als Abiturfach gewählt werden kann).
  • auch solche Angebote zu unterbreiten, in denen unterschiedliche kulturelle Erfahrungen eine Qualität darstellen.

Michel Boltz


Links, Literatur und best practice

www.schuleohnerassismus.org

Radice von Wogau, Janine u.a.: Therapie und Beratung von Migranten. Weinheim und Basel 2004

Gogolin, Ingrid u.a.: Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. BLK-Materialien, Heft 107. Bonn 2003 (siehe: www.blk-bonn.de/papers/heft107.pdf)

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