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Mädchen- und Jungenarbeit

Erziehung muss Mädchen und Jungen für einen
partnerschaftlichen Umgang sensibilisieren und ihnen die
Auseinandersetzung mit ihrer Rolle ermöglichen.

Einen zentralen Entwicklungsschritt in der Jugendphase stellt die Ausbildung der eigenen Geschlechtsidentität dar. Hier setzt eine geschlechtsbewusste Pädagogik an, die Jungen und Mädchen befähigen will, eigene Antworten zu finden, die nicht in der Abwertung des anderen Geschlechts begründet sind. Schule ist einer der wichtigsten Orte, an denen sich Geschlechteridentität bildet. Sie muss sich diesem Prozess stellen und ihn aktiv gestalten. Ganztagsschulen bieten Zeiten und Räume, in denen Jungen und Mädchen jeweils unter sich sind, besprechen, reflektieren und gestalten können. Die Ganztagsschule als Tageseinrichtung kann hier einen wesentlichen Beitrag zur Herausbildung einer geschlechtsbewussten Rollenidentität leisten, weil sie zeitlich, räumlich und personell die nötigen Ressourcen hat. Außerdem trägt sie eine besondere Verantwortung gegenüber den Kindern und der Gesellschaft, die Grundlage für die Gleichberechtigung der Geschlechter zu legen.
Jungen und Mädchen müssen eine eigenständige Geschlechtsidentität, ihre eigene sexuelle Orientierung sowie Toleranz gegenüber den Orientierungen anderer entwickeln. Wichtig ist, dass ihr Selbstbewusstsein, Selbstbild und Selbstwertgefühl nicht auf die Abwertung anderer angewiesen ist. Sie müssen darin unterstützt werden, ihre Kommunikationsfähigkeit – insbesondere ihre Wahrnehmungs- und Kooperationsfähigkeit – zu erweitern, die Fähigkeit zur eigenständigen materiellen und sozial-emotionalen Reproduktion zu entwickeln und Verantwortung für ihr eigenes Handeln zu übernehmen. Das Wahrnehmen eigener und fremder Grenzen, das Finden gewaltfreier Problemlösungen und die Entwicklung eines selbstkritischen Reflektionsvermögens sind Elemente einer geschlechtsbewussten Pädagogik, ebenso die Stärkung von Einfühlsamkeit und die Sensibilisierung der Sinne. Dadurch kann die eigene Handlungskompetenz erweitert werden und eine reflektierte Auseinandersetzung mit den patriarchalischen Strukturen der sie umgebenden Welt stattfinden.

Bedacht und geklärt werden sollte,

  • dass es nicht um Vermittlung von Wissen unter schulischen Regeln geht, sondern um einen Austausch von Meinungen und das Nachdenken darüber.
  • mit den Mädchen und Jungen zusammen eine entspannte und angenehme Atmosphäre herzustellen und gemeinsame Gesprächs- und Verhaltensregeln zu erarbeiten.

Bewährt hat sich,

  • geschlechtshomogene Angebote in die Schulstruktur einzubauen und verbindlich zu machen.
  • Mädchen- und Jungentage von externen Fachfrauen und -männern (zwei pro Klasse) außerhalb des Schulgebäudes durchführen
    zu lassen.
  • regelmäßig Mädchen- und Jungenkonferenzen durchzuführen, möglichst unter weiblicher bzw. männlicher Leitung.

Michel Boltz


Links, Literatur und best practice

www.jungenarbeit-online.de
Die Internetseite der Fachstelle Jungenarbeit des Paritätischen Bildungswerks

www.lizzynet.de
Internetportal für Mädchen

www.leanet.de
Internetportal für Frauen im Bildungswesen

Derichs-Kunstmann, Karin/Auszra, Susanne/Müthing, Brigitte: Von der Inszenierung des Geschlechterverhältnisses zur geschlechtergerechten Didaktik, Wissenschaftliche Reihe, Bd. 111, Bielefeld 1999

Nyssen, Elke: Mädchenförderung in der Schule. Weinheim und München 1996

Portmann, Rosemarie: Gleich verschieden – Beispiele für eine mädchen- und jungengerechte Koedukation. Wiesbaden 1999

Sturzenhecker, Benedikt/Winter, Reinhard (Hrsg.): Praxis der Jungenarbeit. Weinheim und München 2002

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