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Lernen

Ganztagsschule eröffnet Möglichkeiten,
neue Formen des Lernens auszuprobieren und einzuüben.

Die Ganztagsschule bietet Möglichkeiten, schulisches Lernen ohne den Druck des „Pensums“ zu verbessern; denn mehr schulische, aber unreglementierte Zeit erlaubt es, neue Wege zu gehen. Aktuell werden insbesondere Formen des selbstständigen Lernens, das Lernen außerhalb der Schule und das Projektlernen diskutiert und geübt.
Für das Lernen außerhalb der Schule und für das Projektlernen brauchen Ganztagsschulen günstige Bedingungen (z.B. Rhythmisierung des Tages, wenige Vorgaben durch das Ministerium). Zu raten ist einer Schule, beide Formen des Lernens bedachtsam, aber entschieden zu erproben: Neue Lernformen sollten eher ein Jahr zu spät als zu früh und eher mit einer Pioniergruppe als mit vielen Gruppen auf einmal eingeführt werden, denn ein Scheitern wirft zurück.
Ein erstes Ziel sollte sein, mindestens an einem Nachmittag pro Woche außerhalb der Schule (z.B. Marktplatz, Betrieb, Kirche, Acker, Biotop, Wald, Kindertagesheim, Krankenhaus usw.) zu lernen.
Projektlernen sollte Gewohnheit werden (z.B. in jedem zweiten Schuljahr für einen Zeitraum von 8 Wochen). Bescheidener, aber realistischer ist es, einen Nachmittag pro Woche ausschließlich für projektorientiertes Arbeiten vorzusehen.
Selbstständigkeit im Lernen in kleineren oder größeren Schritten systematisch zu fördern, ist die dringlichste Anforderung. Grundschulen haben sich mit Wochenplan und Freiarbeit vielfach bereits auf den Weg des selbstständigen Lernens gemacht. Wichtig ist es daher, dass Schulen der Sekundarstufe I nun Vorstellungen entwickeln und umsetzen, die selbstständiges Lernen den pädagogischen Aufträgen der Sekundarstufe entsprechend alters- und aufgabenadäquat fördern.
Neue Lernformen haben einen ehrgeizigen Orientierungspunkt: Sie sollen dazu beitragen, dass Lernen entsprechend den Möglichkeiten und Bedürfnissen der einzelnen Schülerinnen und Schüler individualisiert werden kann.
Was sich im unreglementierten Ganztagsteil der Schule bewährt, sollte in ansehbarer Zeit auch auf den Pflichtunterricht übertragen werden können.

Bedacht und geklärt werden muss,

  • wie erreicht werden kann, dass junge Menschen sich selbstständig organisieren.
  • wie erreicht werden kann, dass Schüler/innen höherer Jahrgangsstufen Verantwortung für Gleichaltrige oder Jüngere übernehmen.
  • wie Hausaufgaben durch Schulaufgaben ersetzt werden können. Schülerinnen und Schüler sollten schrittweise und altersgemäß zur eigenständigen Wahl der zu bearbeitenden Aufgaben befähigt werden; sie sollten entscheiden, was sie für ihre Lernentwicklung brauchen. Ziel sollte es sein, dass eine Lehrperson keine Aufgaben mehr vergibt, sondern Schüler/innen diese selbst wählen.
  • wie erreicht werden kann, dass alle zusätzlichen Angebote der Ganztagsschule den Schüler/innen eigene Entscheidungen ermöglichen. Wo dies nicht möglich ist, sollte man auf das Angebot verzichten.

Bewährt hat sich,

  • dass die Schülerin/der Schüler den eigenen Lernweg im zusätzlichen Angebot selbst wählt und die Lehrperson unterstützend tätig wird.
  • dass junge Menschen den Stoff wählen, mit dem sie sich längere Zeit beschäftigen wollen (z.B. durch Mitentscheidung über zusätzliche Unterrichtsangebote, durch Wahl des Unterrichtsangebots oder durch eigene Schwerpunktsetzung innerhalb eines Angebots).
  • dass jungen Menschen teilweise oder vollständig die Leitung eines Angebots im zusätzlichen Unterrichtsangebot oder im Freizeitbereich übertragen wird.

Dieter Wunder

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