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Konflikt

Ganztagsschulen brauchen
eine konstruktive Konfliktkultur.

Die Bewältigung von Konflikten muss gelernt werden. Konflikte werden oft als störend, bedrohlich, destruktiv erlebt und die Beteiligten versuchen ihnen – wenn möglich – auszuweichen. Wenn dies nicht möglich ist, kommt es vielfach zu einer Eskalation in persönlichen Auseinandersetzungen oder aufreibenden Machtkämpfen. Konflikte werden oft erst dann zur Kenntnis genommen, wenn „etwas passiert“ ist (wenn sie z.B. mit Gewalt ausgetragen werden). Fast immer wird nach Tätern und Opfern gefragt; die Täter werden bestraft, die Opfer geschützt. Eine Regulierung des Konfliktes erfolgt häufig durch Machtentscheidungen oder Verweise auf Regeln.
Ganztagsschulen brauchen einen anderen Umgang mit solchen Situationen. Eine konstruktive Konfliktkultur geht davon aus, dass Konflikte im Zusammenleben normal sind und dass alle Beteiligten Anteil an ihrer Entstehung haben. Konflikte sind ein Signal dafür, dass etwas nicht stimmt und verändert werden muss. Sie bieten die Chance zur Verbesserung der gegenseitigen Beziehungen. Ungelöst können sie gefährlich werden, denn nicht der Konflikt an sich ist das Problem, sondern die Art und Weise, wie damit umgegangen wird. In der positiven Bewältigung von Konflikten liegt ein enormes Lern- und Wachstumspotential.
Die Didaktik konstruktiver Konfliktbearbeitung besteht im Wesentlichen darin, zwischen Mensch und Problem sowie zwischen eingenommenen Positionen und den dahinter liegenden Bedürfnissen zu unterscheiden. Die verschiedenen Ebenen eines Konfliktes müssen beachtet werden, um nach Lösungen zu suchen, die für alle Beteiligten tragbar sind. Dazu ist eine Verständigung über die hinter dem Konflikt liegenden Bedürfnisse erforderlich. Es ist notwendig, die Kommunikation zwischen den Konfliktparteien aufrechtzuerhalten bzw. wiederherzustellen. Die Mehrzahl der Konflikte kann durch die Verständigung über Bedürfnisse bewältigt werden, wenngleich es auch solche gibt, die nur durch Entscheidungen des pädagogischen Personals geklärt werden können.

Bedacht und geklärt werden sollte,

  • dass Ganztagsschulen ein System aufeinander abgestimmter Verfahren im Umgang mit Konflikten brauchen.
  • dass die Erstellung eines schulspezifischen Konfliktprofils hilfreich ist.
  • dass die Implementierung einer konstruktiven Konfliktkultur Zeit braucht und die Einbeziehung aller am Schulleben beteiligten Personengruppen notwendig ist.
  • dass das pädagogische Personal Fortbildungs- und Trainingsmaßnahmen zur konstruktiven Konfliktbewältigung braucht.
  • dass die Bewältigung von Konflikten in den Klassen zum Lernprogramm gehören muss.
  • dass es spezieller Institutionen (Klassenrat, Mediatorengruppe etc.) bedarf, wenn die Konfliktparteien nicht zu einer selbstständigen Lösung in der Lage sind.
  • dass klare Absprachen darüber notwendig sind, was auf dem Wege der Verständigung und was durch Entscheidungen des pädagogischen Personals bewältigt werden soll.

Bewährt hat sich,

  • Räume, Zeiten und Gelegenheiten vorzusehen, wo Schüler/innen miteinander reden können.
  • in den Klassen Programme zum sozialen Lernen durchzuführen.
  • Institutionen wie einen Klassenrat zu schaffen, in denen regelmäßig Konflikte der Klasse besprochen werden können.
  • Peer-Mediatoren (in der Vermittlung zwischen Konfliktparteien ausgebildete Jugendliche) einzusetzen.
  • Mediation durch Erwachsene (Schulsozialarbeiter/innen, Lehrer/ innen) anzubieten.
  • bei erforderlichen Sanktionen Prinzipien des Täter-Opfer-Ausgleichs anzuwenden.

Peter Balnis

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