 | | 
| Integration
Gemeinsames Lernen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung – in der Ganztagsschule erst recht!
Das gemeinsame Spielen, Leben und Lernen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung wird in der Pädagogik meist als Integration bezeichnet. Etwa 1970 begannen Eltern, die bis dahin praktizierte Aussonderung ihrer Kinder mit Behinderung zunehmend kritisch zu betrachten. Sie wollten, dass auch ihre Kinder in einem „normalen“ Umfeld aufwuchsen. So entstand die Integrationsbewegung, in der sich Eltern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, pädagogische Fachkräfte und andere Interessierte sammelten. Sie erreichten, dass mittlerweile grundsätzlich in allen Bundesländern Kinder bzw. Jugendliche mit und ohne Behinderung gemeinsam Kindergärten und Schulen besuchen können. Die Einrichtung von Ganztagsschulen ist gerade für Schülerinnen und Schüler mit Behinderung, die eine allgemeine Schule besuchen möchten, von großer Bedeutung. Zum einen werden auch viele Sonderschulen (Förderschulen, Schulen für Behinderte) im Ganztagsbetrieb geführt und können so Kindern mit Behinderung mehr gestaltete Zeit sichern als Grundschulen im Halbtagsbetrieb. Eltern, denen die soziale Integration ihrer Kinder wichtig ist, wird durch die Ganztagsschule eine schwierige Entscheidung erleichtert. Außerdem bietet die gemeinsam verbrachte Zeit viele Möglichkeiten zur Begegnung. Integrative Ganztagsschulen werden die vor Ort verbrachte Zeit anders nutzen als Schulen ohne behinderte Kinder. Der Wechsel von individualisierten Lern- und Förderangeboten und Möglichkeiten zur Erfahrung von Gemeinsamkeit wird bewusst gestaltet. Kognitive, kreative und soziale Lernziele haben einen gleichermaßen hohen Stellenwert. Die Vielfalt der Schülerinnen und Schüler wird nicht nur in ihren kognitiven Leistungsfähigkeiten, sondern mit all ihren Möglichkeiten und Bedürfnissen betrachtet und unterstützt.
Bedacht und geklärt werden sollte,
- dass eine integrative Ganztagsschule Räumlichkeiten braucht, in denen sich Kinder und Jugendliche möglichst frei bewegen können. Alle Räume sollten auch für Rollstuhlfahrer/innen zugänglich sein.
- dass eine Ganztagsschule von mehreren Schülerinnen und Schülern mit Behinderung besucht werden sollte.
Bewährt hat sich,
- wenn Schulen, die von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung besucht werden, Integration in ihr Schulkonzept aufnehmen.
- wenn die Unterstützung für den Schüler/die Schülerin mit Behinderung (durch sonderpädagogische Fachkräfte, Integrationshelfer/ innen) als personelle Ressource für die ganze Lerngruppe betrachtet wird.
- wenn alle Schülerinnen und Schüler Verantwortung füreinander tragen – auch Kinder und Jugendliche mit Behinderung können anderen helfen.
Irmtraud Schnell
Links, Literatur und best practice
Demmer-Dieckmann, Irene/Struck, Bruno (Hrsg.): Gemeinsamkeit und Vielfalt. Pädagogik und Didaktik einer Schule ohne Aussonderung. Weinheim und München 2001
Meister, Hans: Differenzierung von A – Z. Eine praktische Anleitung für die Sekundarstufen. Stuttgart 2000
Prengel, Annedore: Vielfalt durch gute Ordnung im Anfangsunterricht. Opladen 1999
|