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Heterogenität

Heterogenität ist eine Ressource, die im Sinne ganztägiger Bildung
produktiv genutzt werden kann.

Heterogenität ist ein multifaktorielles Phänomen: Alter, Geschlecht, sozialer, familiärer, ökonomischer und kultureller Hintergrund, biografische Erfahrungen, psychische und physische Konstitution, Sprachenkompetenz, Migrations- und Bildungshintergrund, Interessen und Begabungen sind zentrale Determinanten schulischen Lernens und schulischer Leistung. Ganztagsschule hat die Möglichkeit, dem traditionellen Ansatz, überwiegend defizit- und ausleseorientiert mit Schülerinnen und Schülern und deren Fähigkeiten und Kompetenzen umzugehen, einen stärkenorientierten Ansatz entgegenzusetzen – zumindest im Zusammenhang mit den vielfältigen Angeboten im Freizeit- und AG-Bereich. Wichtig ist ein Perspektivenwechsel im Sinne des Prinzips der Inklusion. Dies bedeutet, den Fokus auf die Stärken, Kompetenzen und Ressourcen zu legen, die jeder Schüler und jede Schülerin mitbringt, und den Blick abzuwenden von jener Haltung, die nur nach Problemkonstellationen Ausschau hält. Die Reduzierung von Integration auf die Anpassung von Randgruppen an eine gesellschaftliche Norm wird dadurch vermieden. Dass die Vielfalt der Menschen, die in einer Schule zusammenkommen, auch Konflikte und Probleme mit sich bringt, darf dabei nicht verleugnet, sondern muss bewusst thematisiert werden. Miteinander zu leben, zu lernen und einander als unterschiedliche, aber gleichwertige und wertvolle Individuen anzusehen, ist ein zentrales Ziel von ganztägiger Bildung und Erziehung. Heterogenität ist grundsätzlich als Pfund zu verstehen, mit dessen Hilfe eine Schule wuchern kann. Die Chance der Ganztagsschule liegt in dieser Heterogenität und in ihrem Nutzen für die Schulkultur, die pädagogische Arbeit, die Unterrichtsinhalte und sonstige Bildungsangebote.

Bedacht und geklärt werden sollte,

  • worin die Heterogenität einer Lerngruppe besteht. Dazu können die Schuldaten und Informationen der Klassenlehrer/innen herangezogen oder die Schülerinnen und Schüler direkt befragt werden.
  • welche Ressourcen auf Seiten der Schülerinnen und Schüler für eine lebendige Lernkultur genutzt werden können.
  • wie und in welchen Fächern Themen und Inhalte aus den Kulturen der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund aufgegriffen werden und z.B. in die Planung von AG- und Freizeitangeboten einfließen können.
  • wie die besonderen Bedürfnisse von Jungen und Mädchen in die Planung und Durchführung des schulischen Bildungsangebots eingehen können.

Bewährt hat sich,

  • die Kompetenzen von Eltern in die Planung des Schullebens mit einzubeziehen. So gibt es beispielsweise Schulen, die ein breites Mittagsangebot gestalten, das von Eltern unterschiedlichster Kulturen durchgeführt wird. Es ist z.B. auch möglich, eine Expertenliste anzulegen, in die Eltern sich mit ihren Berufen, Hobbys und besonderen Kenntnissen eintragen können.
  • über eine Kultur von Regeln, Ritualen und Routinen das Bewusstsein für Verschiedenheiten und für die darin enthaltenen Potentiale zu schärfen.
  • Vielfalt konsequent als Reichtum zu sehen, ohne pädagogisch romantisch die Probleme zu leugnen, die damit einhergehen.
  • den Blick von einem eingeschränkten Leistungsfokus abzuwenden und eine ganzheitliche Sichtweise zu entwickeln, die möglichst viele Bedingungen schulischen und individuellen sowie sozialen Lernens berücksichtigt.

Christine Hesener/Katrin Höhmann


Links, Literatur und best practice

www.netzwerk-heterogenitaet.de
Netzwerk Lehren und Lernen in heterogenen Gruppen, eine Seite der GEW zum Thema mit Praxisbeispielen, ExpertInnen, Material u.a.

Graumann, Olga: Gemeinsamer Unterricht in heterogenen Gruppen. Von lernbehindert bis hochbegabt. Bad Heilbrunn 2002

Heinzel, Friederike/Prengel, Annedore (Hrsg.): Heterogenität, Integration und Differenzierung in der Primarstufe. Jahrbuch Grundschulforschung Bd. 6. Opladen 2002

Heyer, Peter/Sack, Lothar/Preuss-Lausitz, Ulf (Hrsg.): Länger gemeinsam lernen. Positionen – Forschungsergebnisse – Beispiele. Beiträge zur Reform der Grundschule Bd. 115. Hrsg. vom Grundschulverband – Arbeitskreis Grundschule e.V. Frankfurt/M. 2003

Huber, Ludwig/Wenzel, Anne (Hrsg.): „Wir sind alle gleich. Wir sind alle verschieden.“ Erfahrungen im Umgang mit Heterogenität in der
Sekundarstufe II. AMBOS (Arbeitsmaterialien aus dem Bielefelder Oberstufenkolleg) 41. Selbstverlag Oberstufenkolleg. Bielefeld 1996
(siehe auch www.laborschule.de)

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