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| Freizeit
Freizeit an der Ganztagschule ist ein eigener pädagogischer Raum für nicht formelle und informelle Bildungsprozesse.
Die Freizeit entwickelt sich immer mehr zu einem entscheidenden Raum der Identitätsbildung. Sie trägt allerdings auch zur Reproduktion von sozialen und kulturellen Unterschieden und Ungleichheiten bei. Ein anregendes Freizeitprogramm muss zum pädagogischen Konzept von Ganztagsschulen gehören. Dabei sind inhaltlich betrachtet folgende Dimensionen wichtig: 1. Aktivität und Erfahrung: Hier geht es um organisierte Aktivitäten oder gestaltete Erfahrungsräume, bei denen Kinder und Jugendliche auf freiwilliger Basis von Erwachsenen Lernanregungen erhalten und sich außerhalb des Unterrichts Kenntnisse und Kompetenzen aneignen können. Hierzu gehören all die Projekte, Arbeitsgruppen, Aktionen und Aktivitäten, bei denen Schülerinnen und Schüler ihren eigenen Interessen und Hobbys nachgehen können – sei es auf kulturellem, sportlichem, handwerklichem, politischem oder wissenschaftlichem Gebiet. Solche Lernangebote können im Rahmen des Ganztagsbetriebs auch an Orten außerhalb der Schule und in Kooperation mit anderen Einrichtungen stattfinden. 2. Eigenverantwortung und Partizipation: An Ganztagsschulen brauchen Kinder und Jugendliche mehr Einfluss auf die Gestaltung ihres Tagesablaufs. Deshalb ist es wichtig, Schülerinnen und Schülern Verantwortung für bestimmte Bereiche des Schulalltags zu übertragen (z.B. Verwaltung einer Schulbibliothek, Pflege einer Homepage, Managen eines Schülercafes oder Vermittlung in Konfliktsituationen), die sie nach eigenen Vorstellungen gestalten können. Entscheidend ist, dass es sich hierbei um „echte“ Aufgaben handelt, die für den Alltag der Schulgemeinschaft von Bedeutung sind, also um ein Lernen in der Realität. 3. Begegnung, Geselligkeit und soziale Beziehungen: Schülerinnen und Schüler lernen nicht nur nach Plan, sondern auch dann, wenn sie unter sich sind, also im alltäglichen Zusammenleben. An Ganztagsschulen muss deshalb auch auf informelle Bildung, auf ungeplantes Lernen, das sich unbeabsichtigt im Alltag ergibt, großer Wert gelegt werden. Schülerinnen und Schüler brauchen Freiräume und „pädagogikfreie Zonen“, in denen sie untereinander in Kontakt kommen, Geselligkeit pflegen, Beziehungen aufbauen, miteinander leben, voneinander lernen, Regeln des Zusammenlebens ausprobieren und Grenzen erfahren können. 4. Erholung, Zerstreuung und Entspannung: Es ist anstrengend, den ganzen Tag an der Schule zu sein. Kinder und Jugendliche brauchen deshalb im Laufe des Tages immer wieder Phasen, in denen sie von den schulischen Anforderungen abschalten können – entweder, indem sie zur Ruhe kommen und sich entspannen, oder indem sie sich austoben und zerstreuen.
Bedacht und geklärt werden sollte,
- dass spezifische Interessen und Bedürfnisse von Mädchen und Jungen gleichermaßen berücksichtigt werden müssen.
- dass Ganztagsschulen Freizeitangebote brauchen, die für viele Schülerinnen und Schüler attraktiv sind und die mit geringem personellen Aufwand viele erreichen (z.B. Disko, Spieletreff, Schülercafe), dass aber auch Interessen von Minderheiten beim Freizeitangebot Berücksichtigung finden sollten.
- dass es keine mehr- und minderwertigen Freizeitbedürfnisse gibt.
Bewährt hat sich,
- Freizeitangebote mit verbindlicher Teilnahmeregelung (z.B. Arbeitsgemeinschaften) über einen längeren Zeitraum hinweg anzubieten.
- Projekte durchzuführen, die kurzfristige, aber intensive Aktivitäten ermöglichen.
- offene Freizeitangebote zu machen (z.B. Disko oder Spieletreff, wo Mitmachen und Weggehen jederzeit möglich sind).
- Räume und Treffpunkte einzurichten, wo kein von Erwachsenen organisiertes Angebot stattfindet.
Peter Balnis
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