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Förderung, individuelle

Individuelle Förderung muss garantiertes Grundrecht
eines jeden jungen Menschen sein.

Die individuelle Förderung eines jeden Kindes muss Bestandteil der pädagogischen Konzeption von Ganztagsschulen sein und im Schulprogramm verankert werden. Im Unterschied dazu sieht es die traditionelle Vormittagsschule als ihre Aufgabe an, alters- und leistungshomogenen Lerngruppen zum selben Zeitpunkt denselben Lernstoff zu vermitteln. Schüler/innen, die dem Unterricht nicht folgen können oder andere Probleme beim Lernen haben, müssen folglich entweder den für sie „richtigen“ Schulformen oder Jahrgängen zugewiesen werden bzw. die Eltern müssen dafür Sorge tragen, dass eine erfolgreiche Mitarbeit ihrer Kinder möglich wird. Die Schule ist vormittags für das Lernen im Klassenverband, die Familie nachmittags für die individuelle Förderung und Unterstützung zuständig. Dies hat zur Folge, dass individuelle Förderung vom Geldbeutel und der Kompetenz der Familie abhängt. Ein individueller Anspruch auf Förderung besteht nicht. Die im internationalen Vergleich besonders
eklatante Verletzung des Prinzips der Chancengleichheit in Deutschland hat hier eine wesentliche Ursache. Das traditionelle Halbtagsschulsystem verschärft bestehende Benachteiligungen, die ihre Ursachen in (bildungs-)armen Herkunftsfamilien oder ungünstigen Lebensumständen haben. Besseres und erfolgreicheres Lernen sowohl für benachteiligte oder demotivierte als auch für interessierte und lernaktive Schüler/innen ist deshalb eine starke Legitimation für die Ganztagsschule. Sie muss ein Ort sein, an dem alle Kinder gleichermaßen willkommen sind und wo die bestmögliche Entfaltung und Entwicklung pädagogische Maxime ist.

Bedacht und geklärt werden sollte,

  • dass individuelle Förderung mit der Individualisierung des Lernens zu gemeinsamen Zielen beginnt. Auch der instruierende Unterricht in der Gruppe kann Raum für individuelle Schwerpunkte lassen, ein breites Methodenrepertoire anbieten und unterschiedliche Lernwege zu vereinbarten Zielen ermöglichen.
  • dass bei Problemen individuelle Konzepte gebraucht werden, die auf diagnostischer Kompetenz, Zusammenarbeit und Bildungsoptimismus beruhen und deren Wirksamkeit überprüft wird.
  • dass die Schüler/innen als Lernende und Akteure ihrer Lernprozesse ernst genommen und zu eigenen Vorschlägen und Aktivitäten motiviert werden müssen. Ziel muss der „mündige Lerner“ sein.
  • dass ein zwischen allen Beteiligten abgestimmtes Konzept Voraussetzung dafür ist, dass viele Menschen aus dem schulischen und kommunalen Umfeld in individuelle Fördermaßnahmen einbezogen werden können.
  • wie ein schulbezogenes Netz von Unterstützungseinrichtungen aussehen muss (Gesundheitsdienste, Schulpsychologen, Erfinderclubs, Schulforscher etc.).
  • welche Kompetenzen und welcher Support an der Schule vorhanden sein müssen. Was ist über Fort- und Weiterbildung zu erreichen, welches zusätzliche Personal wird gebraucht?
  • ob eine Kooperation mit kommerziellen Nachhilfeeinrichtungen möglich ist (die Schule stellt z.B. Räume, das Nachhilfeinstitut unterstützt jedes vierte Kind kostenfrei).
  • ob Schul- und Klassenpartnerschaften sowie Schülermentoren Unterstützungsfunktionen übernehmen können.

Bewährt hat sich,

  • Bildungsbücher und Portfolios anzulegen, die individuelle Lernentwicklungen über die Dauer des gesamten Bildungsprozesses festhalten und den Lernenden „gehören“.
  • Förderpläne zwischen Eltern, Lehrkräften und Schüler/innen schriftlich zu vereinbaren, in denen nur das fixiert wird, was jeder Beteiligte selbst bereit ist zu tun. Jeder kleinste freiwillige Beitrag ist besser als eine wirkungslose Zwangsmaßnahme.

Marianne Demmer


Links, Literatur und best practice

www.ganztaegig-lernen.de
Individuelle Förderung ist einer der Schwerpunkte des Programms „Ideen für mehr! Ganztägig lernen“

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