 | | 
| Demokratieerziehung
Die Schule der Demokratie ist die Demokratie lebende Schule.
Demokratie ist vor allem eine Lebensform, die sich in Menschen verankert, wenn sie Demokratie erleben. Das Lehren der Bedeutung von Demokratie reicht für ein demokratisches Leben nicht aus. Die wichtigste Aufgabe der Schule ist es, das Zusammenleben zu lernen. Ein Zusammenleben der Vielfalt in der Gemeinsamkeit ist menschheitsgeschichtlich bedeutsamer als diese oder jene Spezialkenntnis. Viele fachspezifische Inhalte lassen sich zudem an anderen Orten intensiver, richtiger und schneller lernen als in der Schule (z.B. die Fremdsprachen in einer Umgebung der native speaker). Die Schule ist der gesellschaftlich entscheidende und in dieser Weise einzigartige Ort, an dem die nachwachsenden Generationen prägende Erfahrungen miteinander machen können: Erfahrungen, wie sie miteinander leben wollen, wie sie das können und worauf es im weiteren Leben ankommen soll. Nur in der Schule treffen sich alle. Fast jeder andere Lebensbereich ist nach den unterschiedlichsten Kriterien aufgeteilt, gespalten. Darum ist eine Schule der Demokratie auch immer eine Schule für alle. Die Bedeutung einer gelebten Demokratie in der Schule ist umso bedeutsamer, je mehr prägende Zeit eine Schule in Anspruch nimmt. Wenn die Ganztagsschule kein Ort intensiver Demokratieerfahrung ist, beschädigt sie die Demokratie, was immer auch in ihr gelernt werden mag.
Bedacht und geklärt werden sollte,
- was eine Schule der Demokratie wirklich auszeichnet.
- wie immer wieder wahrgenommen werden kann, ob die Schule tatsächlich eine Polis ist, ein Ort, an dem alle Beteiligten die gemeinsamen Angelegenheiten gemeinsam regeln.
- ob ein zergliedertes Schulwesen und eine spaltende Schulstruktur dem demokratischen Anspruch der Vielfalt in der Gemeinsamkeit nicht zuwiderlaufen.
Bewährt hat sich,
- das demokratische Prinzip der Wahlfreiheit möglichst umfangreich im Lernprozess selbst beginnen zu lassen, also in der Freiheit zur Wahl der Inhalte, der Lernmethoden, der Lernzeiten etc.
- wenn sich das für die Demokratie entscheidende Merkmal der Mündigkeit aller darin erweist und dadurch gefördert wird, dass vielfältige Formen der Selbsteinschätzung und der Selbstbewertung gepflegt werden.
- wenn alles Lernen und Zusammenleben in der Schule vom Prinzip des Umgangs in gleicher Augenhöhe durchdrungen ist. Herablassung, gleich welcher Form, verletzt die Gleichwertigkeit bei aller Ungleichartigkeit.
- wenn eine Feedback-Kultur gepflegt wird. Regelmäßiges Feedback, auch mit Konsequenzen, kommt in der Schule der Funktion von Wahlen im Staatswesen nahe.
- wenn in der Schule möglichst viel Verantwortung unter allen
Beteiligten geteilt und wahrgenommen wird. - wenn die Schulentwicklung in einem Verantwortungsfünfeck gesteuert wird. Dazu gehören: die Lernenden, ihre Eltern, die professionellen Pädagogen/innen, die Partner der Schule aus dem Gemeinwesen und die Vertreter des demokratischen Staates.
- wenn sich die Schule dem Gemeinwesen öffnet und als Nachbarschaftsschule versteht.
- wenn die Schulleitung demokratisch gewählt wird und abwählbar
ist. - wenn die Schule wirklich ein Ort ist, an dem alle willkommen sind
– das gilt insbesondere für die Vielfalt der Kulturen. - wenn in der Schule Civil-Courage als wichtigste Tugend gestützt
und gefördert wird (z.B. durch jährliche Auszeichnungen).
Otto Herz
Links, Literatur und best practice
www.blk-demokratie.de Hier finden sich kontinuierliche Informationen im Kontext des Bund-Länder-Förderprogramms (BLK) „Demokratie leben und lernen“
Herz, Otto: Demokratie und Schule – wie Öl, Feuer und Wasser? In: Interkulturelle Beiträge 37: Weltoffenheit und Demokratie. info@raa- brandenburg.de
|