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Begabungsförderung

Ganztagsschule ist der ideale Ort Begabungsressourcen zu
erschließen, die in der Halbtagsschule häufig unentdeckt bleiben.

In der Hochbegabtenforschung geht man von 3% Hochbegabten in einem Jahrgang aus. Studien mit einem erweiterten Begriff besonderer Begabungen sprechen gar von bis zu 10% eines Jahrgangs. Diese 3% sind unabhängig von gesellschaftlicher Herkunft und kulturellem Hintergrund. Begabungsprofile bleiben durchaus unerkannt und werden somit nicht gefördert . Begabungsressourcen nicht zu nutzen ist zum einen sicherlich ein gesellschaftliches Problem. Es ist allerdings an erster Stelle ein Problem für die Persönlichkeit der besonders begabten Schülerinnen und Schüler selbst. Die teilweise im pädagogischen Kontext zu hörende Meinung, besonders begabte Schülerinnen und Schüler würden angesichts ihrer Begabung ihren Weg schon finden, ist falsch. Für sie gilt ebenso wie für alle Kinder und Jugendlichen mit ihren jeweiligen Begabungspotentialen: Begabungen müssen erkannt, gefördert, begleitet und ausgebildet werden.
Da Begabung unabhängig von Schicht und Kultur ist, stellt sich die Frage, wie und durch wen besondere Begabungspotentiale bei Schülerinnen und Schülern aus bildungsfernen Schichten sowie im Kreis der Migranten entdeckt und gefördert werden können. Eine Antwort könnte die Ganztagsschule bieten, wenn sie für das Phänomen sensibilisiert ist. Durch die ganztägige Bildung, die vielfältigen Aktivitäten, die Schülerinnen und Schülern wählen können und die unterschiedlichsten Menschen, die sich mit ihnen, ihren Interessen und ihrem Lernverhalten auseinander setzen, hat die Ganztagsschule weitaus mehr Möglichkeiten in diesem Bereich eine sinnvolle Arbeit zu leisten als die Halbtagsschule. Dies gilt ganz besonders für jene Kinder und Jugendlichen, deren Eltern nicht die Möglichkeit oder das Interesse haben, ihre Kinder adäquat in außerschulischen Einrichtungen fördern zu lassen.

Bedacht und geklärt werden sollte,

  • wie die Schule als ganze für das Phänomen „besondere Begabung“ sensibilisiert werden kann.
  • wie – insbesondere bei offenen Ganztagsschulen – die Beobachtungen zwischen den verschiedenen Personengruppen, die mit den Schülerinnen und Schülern arbeiten, ausgetauscht werden können.
  • ob es sinnvoll sein könnte, Bildungsangebote gezielt so zu konzipieren, dass sie die Ausbildung bestimmter Begabungsprofile unterstützen.
  • ob es sinnvoll sein könnte, speziell einen Ansprechpartner für eine sinnvolle Bildungsberatung zu benennen oder ob diese Aufgabe die Klassenlehrer(teams) übernehmen können.

Bewährt hat sich,

  • in Jahrgang 5 und 6 gemeinsam mit den Sozialpädagogen und Schulpsychologen die Begabungsprofile der Schülerinnen und Schüler systematisch zu diagnostizieren.
  • zu systematischen Entwicklung der Begabungspotentiale punktuell mit Förderplänen zu arbeiten.
  • in bestimmten schulischen Bereichen den Ganztag so zu öffnen, dass jahrgangsübergreifend gearbeitet wird bzw. Schülerinnen und Schüler mit besonderen Begabungen an Angeboten höherer Jahrgänge teilnehmen können.
  • Kooperationspartner für die Bildung und Ausbildung hochbegabter Schülerinnen und Schüler gesucht werden, die die Schule in ihrer Arbeit unterstützen können (z.B. Universität, Theater, Firmen).

Katrin Höhmann


Links, Literatur und best practice

www.osw-online.de
Internetseite der Offenen Schule Kassel-Waldau

BMBF: Begabte Kinder finden und fördern. Ein Ratgeber für Eltern und Lehrer. Oktober 2003 (www.bmbf.de, unter: Service – Publikationen)

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