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Aufsicht führen

Aufsicht ist eine wichtige pädagogische Aufgabe
für die ganze Schule.

Aufsicht führt man nicht nebenher. Wenn Kinder und Jugendliche sich den ganzen Tag in der Schule aufhalten, braucht man ein Beaufsichtigungskonzept, das in der Schule bekannt, realisierbar und akzeptiert sein muss.
Die Aufsichtsführung in der Ganztagsschule unterscheidet sich prinzipiell von der in Halbtagsschulen. Eine Schülerin der Klasse 10, die in der Mittagspause in der Innenstadt entdeckt wurde, formuliert dies folgendermaßen: „So interessant ist der Schulhof im sechsten Jahr nun auch nicht„. Die Schülerinnen und Schüler nutzen die einstündige Mittagspause gerne für einen Bummel durch die Stadt oder einen Spaziergang in der Nachbarschaft.
Dadurch entstehen häufig Probleme, z.B. mit Eltern, die der Schule aus Angst vor Unfällen mangelnde Aufsichtsführung vorwerfen und eine „Totalaufsicht“ fordern, sowie mit Schülerinnen und Schülern, die sich einen „Sport“ daraus machen auszuprobieren, in welchem Maße sie vorhandene Regeln übertreten können (Rauchen, Verlassen des Geländes, Ruhestörung in der Nachbarschaft, Zerstörungen). Auch im Kollegium können Probleme auftreten, wenn die Aufsichtsführung ohne Absprachen und gemeinsame Vorstellungen extrem unterschiedlich gehandhabt wird und von der „blinden Anwesenheit“ bis hin zur Führung aktiver und verbissener Auseinandersetzungen geht.
Aus diesen Gründen empfiehlt sich die Entwicklung eines Aufsichtskonzepts. Dabei ist es ratsam, die Ganztagsschule als einen Raum zu betrachten, in dem der unbeaufsichtigte Aufenthalt ebenso selbstverständlich ist wie der beaufsichtigte. Gerade in der Ganztagsschule ist es erforderlich, die Balance zwischen selbstständiger Zeitgestaltung und juristischer Aufsichtspflicht zu halten und das Hauptgewicht nicht allein auf die „Absicherung“ zu legen. Dies ist nicht nur pädagogisch unerwünscht, sondern programmiert Stress, Überforderung und Scheitern.

Bedacht und geklärt werden sollte,

  • wie die Schülerinnen und Schüler im sozialen Raum über die Nutzung von Zeit selbst bestimmen können. Dazu braucht man eine akzeptierte „Philosophie des Ganztags“, die in stimmige Organisation und Absprachen übersetzt wird und nicht in einem Maßnahmen- und Sanktionskatalog endet.
  • dass positive Sinn-, Raum- und Betätigungsmöglichkeiten angeboten werden.
  • dass eine regelmäßige Erfahrungsüberprüfung in Klassen und Gremien sowie ggf. eine Weiterentwicklung des Konzepts stattfindet.

Bewährt hat sich,

  • dass sich die ganze Schule darüber verständigt, wie Aufsicht praktiziert werden soll.
  • dass Schülerinnen und Schüler in die Aufsicht einbezogen werden.
  • dass die Schule keine Ansammlung verschlossener Räume ist.
  • dass genügend kindgerechte Aufenthaltsmöglichkeiten in Räumen und im Freien zur Verfügung stehen.
  • dass die sozialpädagogischen Fachkräfte nicht für die Aufsicht eingesetzt werden, sondern in den Pausen Zeit für die Beratung von Schülerinnen und Schülern haben.

Ingrid Wenzler

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