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| Arbeitsbelastung
Ein gut organisierter Ganztagsbetrieb reduziert die Arbeitsbelastung der Lehrerinnen und Lehrer.
Lehrerinnen und Lehrer verwenden in der Regel einen sehr weiten Begriff von Belastung. Ihr subjektives Erleben von Belastung und deren Folgen verschmilzt mit objektiven Kriterien der Arbeitswissenschaft. Belastung und Belastungserleben können und dürfen die Leistungsfähigkeit von Lehrkräften zwar in einem regenerierbaren Umfang ausschöpfen, eine langfristige Schwächung des Leistungsvermögens ist allerdings zu vermeiden. In der Bildungspolitik scheint dieser Aspekt der Personalpflege jedoch keine Rolle zu spielen. Arbeitsbelastung ist ein Resultat des pädagogischen Auftrags von Lehrerinnen und Lehrern und den damit verbundenen physischen, organisatorischen und psychischen Belastungen. Aus ihrem im Einzelnen undefinierten pädagogischen Auftrag, der keine obere Leistungsgrenze festsetzt, ergibt sich ein großer Handlungsspielraum. Trotzdem empfinden sich die meisten Lehrkräfte in ein organisatorisches Korsett gezwängt oder gegängelt. Tatsächlich wird von vorgesetzten Stellen der Bildungsbürokratie ständig versucht, steuernd in die durch Schulgesetze festgelegte eigene Verantwortung für das Erziehen, Unterrichten, Bewerten, Beraten, Beaufsichtigen – und implizit auch Verwalten – einzugreifen. Auch an Ganztagsschulen bestimmen Lehrkräfte im Rahmen der ihnen eingeräumten Handlungsspielräume durch ihr eigenes pädagogisches Verständnis und durch Absprachen mit anderen Lehrkräften wesentliche Teile ihrer Arbeitsbelastung selbst; sie gestalten mit. Die Gründe für fundierte Ablaufplanungen des Schulbetriebs treten in der Ganztagsschule deutlicher in Erscheinung als in Halbtagsschulen, können konzeptionell jedoch auch für diese genutzt werden. Die Neueinführung der Ganztagsschule beinhaltet die Chance zur Neubesinnung auf förderwirksame Schulorganisation.
Bedacht und geklärt werden sollte,
- ob alle Lehrkräfte – wie es die Schulgesetze verlangen – für die gesamte Dauer des Schulzeitangebots einer Ganztagsschule für alle Funktionen verantwortlich sein müssen.
- ob und in welcher Form sowohl entlastende Kooperationen mit Fachkolleginnen und -kollegen als auch interdisziplinäre Kooperationen entwickelt werden können.
- ob die Lehrer/innen an Ganztagsschulen zu einer Dokumentation ihrer psychisch-physischen und organisatorischen Belastung zu bewegen sind, die mit derjenigen von Lehrkräften an Halbtagsschulen verglichen werden kann.
- ob und wie die Effektivität der pädagogischen Arbeit im Vergleich mit Halbtagsschulen geprüft werden kann.
- ob und wie die Effektivität des Ganztagsschulkonzepts im Vergleich mit herkömmlichen Halbtagsschulen aber auch untereinander festgestellt werden kann.
Bewährt hat sich,
- wenn alle jeweils anwesenden Lehrer/innen bei jedem sich abzeichnenden sozialen Konfliktereignis fragend reagieren und lösende Absprachen treffen (niemand schaut weg, niemand leugnet seine Betreuungs- und Erziehungsfunktion trotz verabredeter Arbeitsteilung).
- wenige regelmäßige, aber strukturgebende Konferenztermine in den Schulalltag einzubauen, an denen wichtige, mittelfristig (Schulhalbjahr) wirksame Verabredungen getroffen werden.
- dass auf Halbjahresdauer begrenzte, verlässliche verhaltens- und planungsbezogene Vereinbarungen getroffen und eingehalten werden.
- Sozialarbeiter/innen und zusätzliche freie Mitarbeiter/innen zur Entlastung von Lehrkräften einzustellen.
Hans-Georg Schönwälder
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